pommes und disco. Teil II

Prokrastination sei Dank, kümmere ich mich gerade um alles mögliche, nur mit meiner Hausarbeit will ich mich nicht recht beschäftigen. Daher auch dieser Eintrag, der mich prokrastinatorisch von Wichtigerem abhält, aber immerhin mein Unileben thematisiert. Wie war das doch gleich: Das Leben ist nicht nur Pommes und Disco.

Es war an einem tristen Tag im Dezember letzten Jahres als ich zusammen mit meinen türkischen Kommilitonen auf unsere Dozentin wartete; mal wieder muss man dazu sagen. Denn wie mir in den zahlreichen Gesprächen, schließlich hatten wir genügend Zeit, mitgeteilt wurde, scheint Warten im betreffenden Fall Normalität zu sein. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass sie gar nicht erst zum Seminar erschienen ist; ohne jegliche Informationen oder vorherige Ankündigungen. Nun gut, warum sollten sich Dozenten nicht auch mal studentische Freiheiten nehmen dürfen. An diesem Tag jedoch hatten wir (nennen wir es) Glück, denn gute 45 Minuten später – in Deutschland wären wir schon alle nach Hause gegangen – stand sie dann doch noch vor uns. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt stand fest, dass sich der Unitag unerwartet in die Länge ziehen würde. Doch damit der Verzögerungen nicht genug. Es standen Gruppenreferate auf dem Plan, die durch eine Power-Point-Präsentation visuell veranschaulicht werden sollten. Ein defekter Beamer an der Zimmerdecke hängend stand dem jedoch entgegen. Es vergingen weitere Minuten in denen versucht wurde, den Beamer per Fernbedienung doch noch zum Arbeiten zu überreden. Es half alles nichts. Geschlossen wechselten wir den Raum, ein neuer Beamer wurde besorgt und fachgerecht aufgestellt. Fachgerecht hieß in diesem Fall, dass Abgesandte durch die gesamte Fakultät gejagt wurden, um das richtige Anschlusskabel zu besorgen. Fachgerecht hieß auch, dass eine Leiter (!) als Podest diente, um die Projektion optimal an die Wand zu werfen. Sei es drum, mit erheblicher Verspätung begann das Seminar und die Referate konnten gehalten werden. Um sich ein Bild von der Situation zu machen, folgt dieses Foto:

Da dieses Seminar in türkischer Sprache abgehalten wurde, konnte ich leider nur einen Bruchteil verstehen. Für meine fehlenden Sprachkompetenzen kann natürlich niemand etwas außer mir selbst. Aber warum um alles in der Welt in einer Präsentation, die sich im Rahmen von Philosophie- und Kulturtheorien des 19. Jahrhunderts auch mit der Evolutionstheorie beschäftigt hat, ausgerechnet dieses Bild gezeigt wurde, bleibt mir bis heute schleierhaft.

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3 Gedanken zu „pommes und disco. Teil II

  1. Ach Benni, dass ist doch wohl eindeutig. Ich finde dieses Bild sehr gut ausgewählt.
    Der Affe soll den Fortschritt der Evolution darstellen und den anwesenden Stundenten plastisch vor Augen führen was aus Ihnen hätte werden können wenn die Evolution es (nicht) gut mit Ihnen gemeint hätte.
    Die Brille dient dazu herauszustellen, dass der Mensch, durch die agensprochene evolutionäre Entwicklung entstanden, sich ganz offensichtlich im Verständnis der vortragenden Studenten, erst im 19.ten Jahrhundert zu einem kulturbegabten Wesen entwickelte.
    Was das ganze mit Philosophie zu tun hat, vermag ich nicht zu sagen, aber vielleicht ist es ja nur eine Anspielung auf eure Dozentin.

    So, genug des Blödsinns.
    Grüße an den Bosporus.
    Marcel

  2. Da hast du wohl das falsche Fach gewählt, denn eine Studie hat ergeben, dass „Aufschieber“ häufiger in den unstrukturierten Fächern, wie zum Beispiel Geisteswissenschaften, zu finden sind. Vielleicht ist es aber auch dein ewiger Perfektionismus der dich die Aufgaben, in dem Glauben sie nicht perfekt erledigen zu können, verschleppen lässt, oder deine hohe Ablenkungsbereitschaft, oder auch einfach alles zusammen. Vielleicht aber auch ganz eingach das : „Choosing to do one task while temporarily putting another on hold is simply setting priorities, which allows people to cross things off their to-do lists one at a time.“ (Eric Hoover )
    Deine Beiträge sind übrigens immer sehr erheiternd, von den Fotos ganz zu schweigen ;) Mehr davon.

  3. Ich kann jetzt spontan leider nicht mit schlauen Zitaten trumpfen.
    Aber dem zustimmen,dass deine Beiträge und vor allem Fotos
    sehr zu meiner Erheiterung beitragen.

    Wobei…jetzt fallen mir noch zwei Zitate von meinem Freund Kleist ein:

    „Ein freier, denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt; oder wenn er bleibt, so bleibt er aus Gründen, aus Wahl des Bessern.“

    „Man sagte, ich sei zu alt, zu studieren. Darüber lächelte ich im Innern; weil ich mein Schicksal voraus sah, einst als Schüler zu sterben, und wenn ich auch als Greis in die Gruft führe.“

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